11 spektakuläre Wolkenkratzer in Chicago, die jeder gesehen haben sollte

Wenn es um Architektur geht, ist Chicago eines der besten Reiseziele weltweit.

in Chicago
March 15, 2019

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Wenn es um Architektur geht, ist Chicago eines der besten Reiseziele weltweit. Bei einem Spaziergang durch die Straßen des Stadtzentrums gibt es unendlich viele Beispiele für wunderbare Bauwerke zu entdecken, deren Stilrichtungen von neugotisch über Art déco, modernistisch, postmodern und kontextuell bis zu zeitgenössisch reichen sowie allen denkbaren Kombinationen dieser Baustile. Überall gibt es Dinge zu entdecken, die inspirieren und beeindrucken. Diese elf Gebäude gehören zu den wichtigsten, die man gesehen haben sollte, wenn man die Geschichte und Entwicklung des Baus von Wolkenkratzern in dieser Stadt nachverfolgen möchte. 

Bauwerke aus den 1920er Jahren

Der Tribune Tower

Man könnte sagen, dass es sich beim neugotischen Tribune Tower vom ersten Tag an um ein preisgekröntes Gebäude handelte. Sein Bau ging auf eine Ausschreibung der Tribune mit dem Ziel, „das schönste und markanteste Bürogebäude der Welt zu errichten“, zurück. Unabhängig davon, ob es diesen hohen Anspruch erfüllt, ist es definitiv auch nahezu ein Jahrhundert nach seiner Fertigstellung noch höchst eindrucksvoll. Halten Sie Ausschau nach der Skulptur Aesop’s Screen oberhalb des Haupteingangs, die die Architekten Howells & Hood symbolisiert, nämlich als Hund (Howells) und Robin Hood (Hood).

Das Carbide & Carbon Building

Die ursprünglichen Eigentümer dieses triumphalen Gebäudes im Art-déco-Stil wollten ein Bauwerk mit Charakter errichten. Damit hatten sie Erfolg, wie die bewundernden Blicke zeigen, die dem Gebäude noch immer zuteilwerden. Dieses ist in vielerlei Hinsicht prachtvoll, aber die beeindruckendsten Eigenschaften sind die Farben und Materialien, die beim Bau verwendet wurden. Die dunkelgrüne Terrakotta des Turms mit den Akzenten in Form goldener Blätter hebt sich von den grauen und schwarzen Schattierungen der Gegend deutlich ab, und die goldene Turmspitze (die von einer Schicht aus 24-karätigem und nur 0,005 Millimeter dickem Gold bedeckt ist) zollt den Goldenen Zwanzigern brillant Tribut. Einige sagen, das gesamte Gebäude sei so erbaut worden, dass es einer Champagnerflasche ähneln würde, aber das muss wohl jeder für sich selbst beurteilen.

Das Wrigley Building

Am Eingang des Shopping- und Geschäftsviertels Magnificent Mile überblickt dieses Gebäude den Chicago River. Es ist eines der markantesten der Stadt und das erste größere Bürogebäude, das nördlich des Chicago River errichtet wurde. Seine Bauweise wurde von den Erinnerungen des Eigentümers William Wrigley Junior an die Kolumbus-Weltausstellung im Jahre 1893 und deren „Weiße Stadt“ beeinflusst, die aus einer Reihe weißer Gebäude bestand, die nachts von glänzenden elektrischen Lichtern beleuchtet wurden. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, wurden 250.000 Terrakotta-Ziegel in sechs verschiedenen Weißschattierungen außen am Gebäude angebracht, die dafür sorgen, dass es mit zunehmender Höhe immer heller aussieht. Nachts wird das Gebäude von Flutlicht angestrahlt, und es wird von Hand gereinigt, damit es immer noch so strahlend leuchtet wie damals im Jahre 1921. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass in diesem Bürogebäude die erste Klimaanlage von Chicago lief, was schnell Schule machte.

Das Jewelers' Building

Das Jewelers‘ Building sticht durch seinen Turm und die Kuppel hervor, welche beinahe wie ein weiteres kleines, ganz oben aufgesetztes Bauwerk aussieht. Als es 1927 fertiggestellt wurde, wies es einige unverwechselbare Innovationen auf: das höchste und größte Parkhaus der Welt (über 23 Etagen) und einen Autoaufzug, der die gepanzerten Fahrzeuge direkt zu den Juwelieren brachte, die Geschäftsräume im Gebäude gemietet hatten, aber nicht lange dort blieben, da der Aufzug oft nicht funktionierte, und später konstruierte Autos, die kürzer und breiter waren, nicht mehr in den Aufzug und die Parkplätze passten. Doch das Gebäude übte weiterhin seine Faszination aus, und seine kunstvolle Schönheit blieb ein überzeugendes Argument. Lange  wurde spekuliert, dass während der Prohibition eine geheime Bar unter der Leitung von Al Capone in der Kuppel untergebracht gewesen sei. In Wirklichkeit befand sich dort nach Aufhebung der Prohibition ein Restaurant mit dem Namen „The Stratosphere Club“.

Bauwerke aus den 1930er Jahren

Das Chicago Board of Trade Building

Das Chicago Board of Trade Building im Art-déco-Stil war zwischen 1930 und 1965 das höchste Gebäude in  Chicago, und es ist immer noch eine eindrucksvolle Erscheinung am Fuße der South LaSalle Street. Zu jeder Tages- und Nachtzeit ist es beeindruckend, aber in vollem Glanz lässt es sich besonders gut nachts von der South LaSalle Street aus bewundern. Die nach oben gerichteten Flutlichter auf den vielen versetzten Stufen der Fassade verleihen ihm einen Goldschimmer, übertroffen nur noch von der leuchtenden Spitze, einer mehr als 3.000 Kilogramm schweren Statue von Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit.

Bauwerke aus den 1960er Jahren

Die Marina City

Bei der Marina City handelte es sich um ein revolutionäres Gebäude im Rahmen eines ebenso revolutionären Konzepts. Der Architekt Bertrand Goldberg entwarf sie als „Stadt innerhalb der Stadt“, als Wohn- und Mischnutzungskomplex mit dem Ziel, Leute aus der Mittelschicht wieder in die Innenstadt zu ziehen. Daher gab es Einzelhandelsflächen, ein Kino, ein Schwimmbad, eine Kegelbahn, ein Parkhaus mit 19 Etagen und einen kleinen Yachthafen für Freizeitboote. Aber die bemerkenswerteste Eigenschaft der Marina City ist ihre Gestalt in Form eines Maiskolbens. Goldberg war der Meinung, dass in Wohnräumen keine rechten Winkel existieren sollten, da diese auch in der Natur nicht vorkommen. Jede der 900 Wohnungen hat einen Balkon in Kurvenform, der dem Gebäude seine markante Gestalt verleiht.

875 N Michigan Avenue (das frühere John Hancock Center)

Dieses Gebäude ist unschwer zu erkennen: Als dritthöchstes Bauwerk in Chicago hebt es sich deutlich von der Silhouette der Stadt ab. Es weist auch einen markanten Außenbereich auf. Die Verstrebungen, die sich am Gebäude in die Höhe ziehen, sind nicht einfach nur dekorativ: Aufgrund dieses architektonischen Tricks konnte dieses Bauwerk so hoch gebaut werden, dass es früher einmal das höchste in ganz Chicago war.  Bemerkenswert ist auch die spitz zulaufende Form dieses Gebäudes, die es ermöglicht, die Bedürfnisse seiner verschiedenen Mieter zu erfüllen. Die Einzelhandelsflächen und Parkhäuser, die sich weiter unten befinden, benötigen weitläufige Flächen und nur wenige Fenster, wohingegen die Mieter im Wohnbereich weiter oben mit weniger Fläche auskommen und sich dafür über Fenster freuen können.

Bauwerke aus den 1970er Jahren

Der Willis Tower (der frühere Sears Tower)

Das John Hancock Center war nur relativ kurze Zeit das höchste Gebäude in Chicago. Dann kam der Sears Tower, der jetzige Willis Tower, der damals sogar das höchste Bauwerk der Welt war. Vielleicht wäre es noch höher gebaut worden, wenn die Höhe vom Boden bis zum Dach nicht bereits die maximal zulässigen 422 Meter betragen hätte, welche von der US-Bundesluftfahrtbehörde festgelegt worden waren. Diese unglaubliche Höhe wurde durch das gebündelte Röhrenstruktursystem ermöglicht, das Architekt Fazlur Rahman Khan aus Chicago zum ersten Mal verwendete. Dieses Konzept ähnelte dem damaligen John Hancock Center, das ebenfalls von Khan konstruiert worden war, und wird seitdem bei den meisten anderen Wolkenkratzern einschließlich des Burj Khalifa, des aktuell höchsten Bauwerks der Welt, eingesetzt. Obwohl der Willis Tower nicht mehr das höchste Gebäude der Welt ist und auch der ursprüngliche Name geändert wurde, übt er weiterhin eine große Faszination auf Besucher aus, und die Bürger von Chicago sind stolz auf ihn.

Die 330 N Wabash/AMA Plaza (das frühere IBM Building)

Architekt Ludwig Mies van der Rohe übte in der Mitte des 20. Jahrhunderts sowohl mit den Bauwerken, die er selbst konstruierte, als auch mit seiner Wirkung auf eine Generation weiterer Architekten einen enormen Einfluss auf die Architektur von Chicago aus. Seine Philosophie folgte dem Prinzip „weniger ist mehr“, und seine Gebäude waren Beispiele für einen Stil, der von ihm als „Haut-und-Knochen-Architektur“ bezeichnet wurde. Dabei handelte es sich um einfache, effiziente Konstruktionen, die ohne sämtliche Schnörkel auskommen mussten. Dieses Bauwerk, das ursprünglich für IBM konzipiert worden war, ist ein perfektes Beispiel für seinen Stil. Seine anodisierte schwarze Aluminiumrahmenkonstruktion und das grau getönte Glas vermitteln ein Gefühl der Macht und Stabilität, und viele, die an seiner monolithischen Form emporblicken, können sich einer ehrfürchtigen Empfindung nicht erwehren. 

Bauwerke aus den 1980er Jahren

Der 333 West Wacker

Das Gebäude 333 West Wacker zeichnet sich dadurch aus, dass es  gleichzeitig aus der Umgebung hervorsticht und dennoch an sie angepasst ist. Es hebt sich dadurch vom Umfeld ab, dass sich seine gebogene Glasfassade deutlich von den rechteckigen Kästen in seiner Nachbarschaft unterscheidet. Aber es fügt sich dadurch ein, dass Farbe und Gestalt seiner Fassade gleichsam eine Ergänzung zum Chicago River darstellen, der im Norden und Westen vorbeifließt. Mit seiner blaugrauen Farbe und der Oberfläche, in der sich die Umgebung so deutlich spiegelt, scheint es selbst beinahe Teil des Flusses zu sein. Vielleicht stellt es das großartigste Beispiel für kontextuelle Architektur in ganz Chicago dar. Dabei handelt es sich um Gebäude, deren Architekten Anleihen bei der Umgebung und der dort vorhandenen Architektur machen. Dieser Respekt gegenüber dem bereits Vorhandenen ist möglicherweise einer der Gründe für die Beliebtheit dieses Bauwerks bei den Einwohnern.  

Ein Bauwerk aus den 2000er Jahren

Aqua

Die sanft geschwungene Biegung des 333 West Wacker hebt sich deutlich von den architektonischen Stilrichtungen aus der Mitte des Jahrhunderts in Chicago ab, und Aqua sieht – wenigstens oberflächlich gesehen – nochmals anders aus. Im Kern hat dieses Gebäude eigentlich eine ziemlich gewöhnliche rechteckige Form. Aber seine Balkone verleihen dem Bauwerk eine ganz eigene Gestalt. Die wellige Oberfläche erinnert an organische Formen, Kalksteinformationen oder die Wellen des nahegelegenen Lake Michigan – je nachdem, mit wem man spricht. Aber die Balkone wurden nicht nur aus Dekorationsgründen so konstruiert. Sie helfen dem Bauwerk dabei, dem Wind standzuhalten, spenden anderen Wohnungen Schatten und tragen zu einer sozialeren Gemeinschaft bei, indem sie es den Bewohnern ermöglichen, mit den Mietern über und unter ihnen zu kommunizieren. Aqua wurde von Jeanne Gang konstruiert und ist damit das größte Gebäude, das von einer leitenden Architektin errichtet wurde.

Erfahren Sie mehr über die Architektur im Stadtzentrum von Chicago

Möchten Sie mehr über die Architektur im Stadtzentrum von Chicago erfahren? Die beste Möglichkeit dafür ist eine geführte Schifffahrt auf dem Chicago River mit dem Themenschwerpunkt Architektur. Entsprechende Touren werden von Shoreline SightseeingWendella oder dem Chicago Architecture Center angeboten. Oder besuchen Sie das Chicago Architecture Center, wo Sie Ausstellungen zur Architektur der ganzen Stadt sehen können.  


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